Konjunkturumfrage 2. Quartal im schwäbischen Handwerk
Pressemitteilung
(10.08.2006, Pressemitteilung, koh) Die momentane Stimmung im schwäbischen Handwerk ist gut. Knapp 80 % der befragten Betriebe sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden – das sind 10 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Monaten. Nach einem verhaltenen ersten Quartal hat sich die Lage deutlich entspannt. Ein beträchtlicher Teil der jetzigen Aufwärtsentwicklung ist jedoch der geplanten Mehrwertsteuererhöhung in Form von vorgezogenen Käufen und Anschaffungen zu verdanken. Eine Konjunkturerholung über das Jahr 2006 hinaus ist daher mit vielen Fragezeichen versehen.Beschäftigungsabbau gestoppt - Umsätze steigen
Das verbesserte Geschäftsklima hat sich auch positiv auf den Stellenmarkt ausgewirkt. Der seit Herbst letzten Jahres andauernde Arbeitsplatzabbau konnte gestoppt werden. In jedem sechsten Betrieb wurden neue Mitarbeiter eingestellt. So gab es im zweiten Quartal insgesamt ein leichtes Beschäftigungsplus von 1 %. Das sind immerhin rund 1.000 neue Stellen. Grundlage für die Neueinstellungen war eine erfreuliche Entwicklung der Umsatz-zahlen. Jeder vierte Betrieb meldete ein Plus. Überraschend gut verliefen die letzten Monate für das Bauhauptgewerbe. Dort verzeichneten rund 40 % der befragten Unternehmen einen Umsatzzuwachs.
Auftragspolster dicker
Auch die Reichweite der Auftragsbestände hat sich verbessert und gibt den Betrieben erhöhte Planungssicherheit. Im Durchschnitt reichen die Aufträge für 6 Wochen, im Vorquartal lag der Vergleichswert bei lediglich 5, 3. Allerdings reicht diese günstige Entwicklung nicht aus, um die Investitionsbereitschaft zu verbessern. Nach wie vor verharrt die Investitionsquote auf niedrigen 31 %. Hier verhalten sich die Handwerksunternehmen vorsichtig, weil sie davon ausgehen, dass der Anstieg des privaten Konsums und somit der Umsätze nur vorübergehender Natur ist. „Viele Verbraucher wollen die Mehrwertsteuererhöhung zum 1.1.2007 umgehen und ziehen benötigte Anschaffungen vor“, erklärt Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner und fordert „weitere Anstrengungen der Bundesregierung, um die sich abzeichnende Konjunkturerholung nicht zu gefährden.
Die Erwartungen für die kommenden Monate sind zwar weiterhin gut, doch rund
70 % der Betriebe rechnen schon jetzt mit einer Konsolidierung der Auftragslage. Nur 15 % der Betriebe rechnen mit weiteren Zuwächsen. Dies wirkt sich auch auf die Personalpolitik der Betriebe aus. Lediglich 6 % der Firmen wollen in den kommenden Monaten Personal einstellen.
Wenig Vertrauen in die Politik der Bundesregierung
Interessant sind auch die Ergebnisse einer Sonderumfrage zum Thema „Handwerkspolitische Maßnahmen der Bundesregierung“. Zu diesen Maßnahmen gehören die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen und die Programme zur energetischen Gebäudesanierung. Rund 90 % der befragten Betriebe im Bau- und Ausbauhandwerk kennen die Regelungen zum Steuerbonus, 80% wissen über die Gebäudesanierungsprogramme Bescheid und machen damit verstärkt Werbung bei ihren Kunden. Dazu Wagner: „Die mit den handwerksfördernden Maßnahmen verbundene Hoffnung auf eine deutliche Stimulierung des Konsums erfüllt sich nur teilweise. Denn die Politik sendet sehr widersprüchliche Signale an Verbraucher, Arbeitnehmer und Unternehmer“. Die Gesundheitsreform führt zu einer weiteren Beitragserhöhung zum 1.1.2007 und verteuert die Arbeit. Dagegen wäre eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten für das personalintensive Handwerk äußerst wichtig. „Aufgrund dieses Durcheinanders erhält die Bundesregierung schlechte Noten von den befragten Bauhandwerkern. Fast zwei Drittel von ihnen beurteilen die Reformpolitik der Großen Koalition als schlecht,“ so der Hauptgeschäftsführer. Umso wichtiger sei daher eine deutliche Entlastung des Handwerks bei der geplanten Unternehmenssteuerreform. Wagner fordert: „Es ist unverzichtbar, dass Gewinne, die im Unternehmen bleiben, steuerlich deutlich niedriger belastet werden. Nur so lassen sich Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen auch finanzieren“.
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online seit 10. Aug 2006, aktualisiert am 03. Nov 2006
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