Das Anerkennungsgesetz und seine Möglichkeiten für das Handwerk

Pressemitteilung

(27. Juni 2012, treu) Das Handwerk zählt zu den personalintensivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Über 80% der Beschäftigten im Handwerk sind Fachkräfte. Inzwischen ist der demografische Wandel deutlich spürbar und die Handwerksbetriebe nutzen viele Möglichkeiten gut ausgebildete Fachleute in die Betriebe zu integrieren. Wichtig für die Handwerkskammer für Schwaben (HWK), so Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner: "Wir möchten die Personen qualifizieren und ihnen Arbeitsplätze im Handwerk geben, die bereits in Deutschland sind. Zuwanderung ist für uns zweitrangig."

Handwerkskammer für Schwaben (HWK) ist Ansprechpartner


Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) ist Ansprechpartner für alle, die einen handwerklichen Beruf ausüben möchten und künftig im Regierungsbezirk Schwaben arbeiten wollen. Eigens hierfür wurde eine Stelle geschaffen, die Interessenten aus diesem Bereich bei der Abwicklung der Formalitäten begleitet und über die Anerkennung dann entscheidet.

Ass. Johanna Seubert ist hier die Expertin bei der Handwerkskammer: "Je aktueller die Unterlagen sind, umso leichter und schneller lässt sich diese Verfahren anwenden. Dies sollte jedoch Personen, deren Nachweise schon länger zurückliegen nicht davon abhalten sich zu melden. Wir gehen auch solche Herausforderungen engagiert an," ermuntert Seubert potentielle Antragsteller.

Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) hat in den letzten Wochen bereits über 115 Kontakte zu den neuen Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes mit Interessierten aus verschiedenen Ländern, wie z.B. Polen, Rumänien und der Türkei gehabt. Zudem sind bereits die ersten Anträge eingegangen.

Anerkennungsgesetz gibt dem Handwerk zusätzliche Möglichkeiten

Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen kurz "Anerkennungsgesetz" genannt, das seit dem 1. April 2012 in Kraft ist, ergeben sich auch für das Handwerk weitere Möglichkeiten. Damit wird erstmals ein allgemeiner Anspruch auf Feststellung der Gleichwertigkeit zwischen einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation und einer deutschen Referenzqualifikation geschaffen.

Antragsberechtigt sind alle Personen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Staatsangehörigkeit, die im Ausland einen Ausbildungsnachweis erworben haben. Als Nachweis dient hierbei ein Prüfungszeugnis oder Befähigungsnachweis. Diese müssen zudem von einem beeidigten Übersetzer oder Dolmetscher übersetzt sein. Darüber hinaus muss der Antragsteller darlegen, in Deutschland eine Erwerbstätigkeit aufnehmen zu wollen. Diese Nachweispflicht gilt nicht für EU-Bürger sowie Bürger der Schweiz und des gesamten Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Außerdem werden zur Bearbeitung u.a. ein Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass) und eine tabellarische Aufstellung der absolvierten Ausbildungsgänge und ausgeübten Erwerbstätigkeiten benötigt.

Auch Berufserfahrung zählt

Im Rahmen der Verfahren werden ausländische Berufsqualifikationen mit inländischen Abschlüssen verglichen. Hier kann gegebenenfalls zusätzlich einschlägige Berufserfahrung zur Überprüfung herangezogen werden. Die auf dieser Grundlage getroffenen Feststellungen über die Gleichwertigkeit der Qualifikationen bieten Transparenz nicht nur für die Inhaber der ausländischen Berufsqualifikationen, sondern auch für potentielle Arbeitgeber im Handwerk. Die Gleichwertigkeitsbescheinigung bietet eine konkrete und leicht verständliche Aussage über die Inhalte der jeweils vorgelegten ausländischen Berufsqualifikationen. Damit werden auch etwaige wesentliche Unterschiede zum deutschen Abschluss - als Geselle oder Meister - deutlich. Auf Meisterebene wollen die Handwerkskammern Angebote zu ausgleichenden Nachqualifizierungen anbieten. Ein deutsches Prüfungszertifikat wird jedoch nicht verliehen.