Kommentar zu auf Augenhöhe!

2016 - DHZ 20

Endlich Berufsinfo für Gymnasiasten



Es war in der Tat ein dickes Brett, das das Handwerk beim Bayerischen Kultusministerium zu bohren hatte. Denn mit unserem Wunsch das Fach Berufsorientierung auch an Gymnasien verpflichtend einzuführen, rannten wir keine offenen Türen ein. Vielmehr herrschte über Jahre hinweg die Auffassung, dass diese Schulart ihre Absolventen in erster Linie zu einem Studium hinführen muss. Für Informationen zu Berufsausbildungen war keine Unterrichtszeit vorgesehen. Umso größer ist nun die Freude, dass ab dem kommenden Schuljahr die Berufsorientierung fest im Fächerkanon der Gymnasien verankert werden soll. Denn es ist wichtig, dass Jugendliche einen fundierten Einblick in die handwerkliche Arbeitswelt und deren vielfältige Chancen erhalten, um dann entscheiden zu können in welche Richtung der persönliche Lebensweg führen soll. Einseitig nur auf die akademische Schiene getrimmt zu werden, macht keinen Sinn und wird den Talenten junger Menschen keineswegs gerecht. Hinzu kommt, dass dies ein volkswirtschaftliches Thema erster Güte ist. Denn unsere hochspezialisierte Wirtschaft braucht – und das bestätigen Umfragen – doppelt so viele Facharbeiter wie Ingenieure. Und was noch wichtiger ist: innovative, praxiserfahrene Unternehmer im Mittelstand, die wirtschaftlichen Erfolg sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze auch in Zukunft sicherstellen.

Dass auf die Gymnasien mit den zuständigen Koordinierungslehrern eine große Aufgabe zukommt, das ist klar. Doch gemeinsam mit den Unternehmen und den Kammern wird es möglich sein, jedem Gymnasiasten einen Praktikumsplatz anzubieten. Bei den Mittelschulen klappt dies ja auch – seit Jahren.



"Einseitig nur auf die akademische Schiene getrimmt zu werden, macht keinen Sinn und wird den Talenten junger Menschen keineswegs gerecht. "