Kommentar zu Gut, besser, Handwerk

2016 - DHZ 15/16

Die Geschäfte laufen prima

Seit fünf Jahren meldet die Handwerkskammer in ihren Quartalsberichten zur Handwerkskonjunktur Spitzenwerte. So sind auch zur Halbzeit 2016 die allermeisten der befragten Unternehmen mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden und noch mehr – 95 % !!!! – erwarten sich in den nächsten Monaten gute Geschäfte. Das Handwerk scheint das Sonntagskind der Wirtschaft zu sein. Aber – ohne zu unken oder die tolle Lage schlecht reden zu wollen – bei aller Freude über diesen Erfolg, müssen auch kritische Töne sein.

Während sich die verantwortlichen Politiker um aktuelle Brennpunkte wie die nationale Sicherheit oder die Ausrichtung der EU nach dem Brexit kümmern (müssen), rückt die Zukunftssicherung in Form einer Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade für den Mittelstand in den Hintergrund.

Bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 ist noch ein gutes Jahr und die Erfahrung zeigt, dass ab dem Frühjahr entscheidungsmäßig kaum noch etwas „geht“.

In sechs Monaten wichtige Vorhaben wie die Reform der Erbschaftssteuer, Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme (Stichwort: Erhöhung der Krankenkassenbeiträge) und vieles andere durch alle parlamentarischen Stationen zu bringen, ist sehr ambitioniert. Gleichzeitig braucht es Antworten und Verlässlichkeit für Bürger und Wirtschaft beim Thema Zinsentwicklung. Wie stellt sich die Politik die Umsetzung der Digitalisierung vor? Gibt es einen Plan, wie die prognostizierten, gravierenden Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt gemeistert werden sollen? Dass wir die Vorstellungen der Parteien zum Megathema Rente erst im Laufe des Wahlkampfs erfahren werden, davon ist auszugehen.

All‘ das macht mir Sorge und trübt die Freude über die Topkonjunktur im Handwerk. Denn eines muss klar sein – die gute wirtschaftliche Lage wird nicht ewig Bestand haben und für veränderte Situationen muss beizeiten Vorsorge getroffen werden.

 

„Die Zukunftssicherung darf trotz aktueller Brennpunkte nicht in den Hintergrund gerückt werden.“