Konjunktur
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Wirtschaftliche Erholung in kleinen Schritten

Pressemitteilung

Konjunkturumfrage: Optimistische Stimmen überwiegen, Corona-Pandemie hinterlässt aber tiefe Spuren im schwäbischen Handwerk

 

(treu) Laut aktueller Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2020 geben 75 % der befragten Betriebe an, dass sie mit der eigenen Geschäftslage zufrieden sind. Noch vor einem Jahr waren es knapp 95 %, die positiv gestimmt waren, das sind immerhin 20 Prozentpunkte Differenz. Als schlecht bezeichnet jedes vierte Unternehmen (25 %) seine gegenwärtige Situation. Sowohl Auftragseingänge als auch Umsätze sind stark eingebrochen. Über 40 % der Betriebe melden Rückgänge.

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben (HWK), sieht dies mit Sorge: „Die positiven Werte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Lockdown in einigen Gewerken zum kompletten Stillstand und 100%igen Umsatzeinbußen geführt hat.“ Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde, so Wagner, die rasche Erholung von Industrie und Kommunen sein. Ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit sei erfahrungsgemäß Gift für das Handwerk und die Binnenkonjunktur. „Geht dieses Gespenst erst einmal um, dann wird die Lage auch für das Handwerk bedrohlich,“ gibt er zu Bedenken.

 

Zugangskriterien für Hilfen zu streng – Nachbesserungen erforderlich 

Der wirtschaftliche Aufholprozess ist im schwäbischen Handwerk zwar bereits in Gang gekommen, wird sich aber noch über längere Zeit hinziehen. Ulrich Wagner: „Das Handwerk erweist sich einmal mehr als Anker in der Krise, auch wenn die Corona-Pandemie tiefe Spuren hinterlassen hat. Für etliche Firmen geht es ums Überleben. Mit dem Konjunkturpaket geht der Staat zwar richtigerweise in die Vollen. Doch müssen die Milliarden auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Für viele Handwerksbetriebe sind die Zugangskriterien, gerade bei den Überbrückungshilfen und den Ausbildungsprämien, deutlich zu streng gefasst. Hier muss dringend nachgebessert werden, damit die sich abzeichnende Erholung nicht ins Stocken gerät oder gar abgewürgt wird,“ fordert der Hauptgeschäftsführer. Positiv blickt Wagner auf das Investitionsverhalten. Geplante Vorhaben wurden zum Großteil verwirklicht. Der Anteil investierender Firmen liegt im 2. Quartal mit 36 % nur wenig unter dem Wert des Vorjahrs (41 %).

 

Weiter Zuversicht bei Bau und Ausbau

Die Bau- und Ausbaugewerke – sie stellen rund die Hälfte aller Handwerksbetriebe – übernehmen eine wichtige Rolle als Stabilitätsfaktor. In großen Teilen haben sie sich erfolgreich gegen die Talfahrt gestemmt. Im Bauhauptgewerbe sind es beachtliche 93 % der befragten Unternehmen und bei den Ausbauhandwerken immerhin noch 85 %, die positiv gestimmt sind. Die Auftragsbücher sind unverändert gut gefüllt. Die Aufträge reichen im Schnitt für 13,3 Wochen im Bau- und 11,5 Wochen im Ausbausektor (Durchschnitt Gesamthandwerk: 9,2).

 

Durch Lockdown stark getroffen

Geschlossene Friseurgeschäfte, kein Catering – viele Handwerksbetriebe haben infolge der Corona-Beschränkungen mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Zum Ende des zweiten Quartals, zeigt sich der Großteil der Lebensmittelhandwerke dennoch einigermaßen zufrieden. Gut drei Viertel (77 %) der Bäcker, Konditoren und Metzger sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Bei den verbrauchernahen Gewerken wie den Friseuren, Kosmetikern oder den Gesundheitshandwerken ist die Situation angespannt. Lediglich gut die Hälfte (55 %) bewerten ihre Lage als mit gut oder befriedigend, immerhin 45 % mit schlecht. Dennoch blicken beide Branchen, die Lebensmittel- und die verbrauchernahen Gewerke, relativ optimistisch auf die kommenden Monate. Während im Durchschnitt aller Betriebe 16 % von einer Besserung der eigenen Geschäftslage ausgehen, sind es bei den Lebensmittelbetrieben 31 % und bei den Dienstleistern 25 %.

 

Geringe Erwartungen bei Kfz-Handwerk und Zulieferern

Auch wenn sich die Umbrüche im Automobilsektor bereits abzeichneten und der Export schon länger Sorgenkind der Konjunktur ist, so zeigte sich das Handwerk vor Corona noch weitgehend unberührt von diesen Problemen. Verstärkt durch die Pandemie sind nun aber sowohl das Kfz-Handwerk als auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf stark in Mitleidenschaft gezogen. Verglichen mit den Werten vor einem Jahr sinkt die Zufriedenheit mit der eigenen Geschäftslage in beiden Gewerken um rund 25 Prozentpunkte (Kfz: 72 %vs. 97 %; gewerblicher Bedarf: 64 % vs. 90 %). Und auch die Aussichten werden überdurchschnittlich häufig pessimistisch eingeschätzt. Jeder dritte Betrieb rechnet mit einer Verschlechterung seiner Lage. Am Bau und Ausbau und in den konsumnahen Handwerken sieht man dagegen durchaus Licht am Horizont.

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