„Forum Politik und Handwerk“ diskutiert Thema „Extremismus in Ausbildung und Beruf“Einsatz gegen Extremismus
Rechtsextremisten gewinnen zunehmend Einfluss und versuchen vor allem, junge Menschen zu ködern. Das wurde auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Bayerischen Handwerkstags (BHT) und der Akademie für Politische Bildung im Dezember deutlich. Unter dem Titel „Extremismus in Ausbildung und Beruf“ wurde beim regelmäßig stattfindenden „Forum Politik und Handwerk“ vor allem die Rolle der Betriebe in den Fokus genommen.
Gastgeber war die Handwerkskammer für Schwaben. HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner betonte in seiner Begrüßung die bedeutende Rolle der handwerklichen Ausbildungsbetriebe: „Das Handwerk bildet seit jeher aus und ist damit so nah an den Jugendlichen, wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich. Eine Ausbildung vermittelt nicht nur fachliche Fertigkeiten. Sie vermittelt Werte. Sie stiftet Orientierung und Halt.“
Verantwortung der Betriebe
Ausbildungsbetriebe würden, so Wagner, neben Familie und Schule immer stärker zu einem dritten Standbein der Erziehung. „Das ist eine große Verantwortung, der sich unsere Betriebe tagtäglich stellen. Extremismus schadet nicht nur jedem einzelnen Menschen, der davon betroffen ist, sondern auch der Wirtschaft insgesamt. Deswegen leben wir im Handwerk Willkommenskultur und Integration.“
Matthias Lux, Inhaber des gleichnamigen Stuckateurbetriebs in Bühl bei Günzburg, pflichtete Wagner bei. Mit seinem Betrieb kümmert er sich
auch um die Integration von Geflüchteten. Ein junger Afghane etwa, der dort ausgebildet wurde, arbeitet mittlerweile als Vorarbeiter für die Firma.
Lux: „Wir kümmern uns bei unseren ausländischen Mitarbeitern nicht nur um Arbeitsangelegenheiten, sondern auch um Themen, die weit darüber hinaus gehen. Zum Beispiel, wenn es um die Wohnungssuche oder den Kontakt mit Behörden geht.“ Sein afghanischer Mitarbeiter sei sehr dankbar für die Unterstützung, für ihn sei der Betrieb wie eine Familie.
„Null Toleranz“
Bayerns Kultusministerin Anna Stolz sprach bei der Veranstaltung einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr an, bei dem die sogenannte Identitäre
Bewegung gezielt Schulen mit ihrer Propaganda in den Fokus nahm. Unter anderem am Augsburger Holbein-Gymnasium seien manipulative Flyer verteilt worden, mit dem Titel: „Lehrer hassen diese Fragen“. Die Schüler hätten sich damals selbst gewehrt und auch Polizei und weitere staatliche Behörden handelten schnell. Anna Stolz: „Extremismus hat an unseren Schulen nichts verloren. Es gibt null Toleranz und wir treten ein für die demokratische Grundordnung gegen jede Beeinflussung durch extremistische Organisationen.“ Die Kultusministerin betonte den Stellenwert politischer Bildung und zählte anschließend die Maßnahmen des Freistaats auf, um Extremismus entgegenzutreten.
„Wer sich an einem wertschätzenden Miteinander nicht beteiligen will, ist im Handwerk fehl am Platz.“
Franz Xaver Peteranderl BHT-Präsident
Grenzen des Sagbaren
Polizist Ralf Hermle von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus beschäftigte sich anschließend vor allem mit den Social-Media-Aktivitäten der Rechtsextremisten. Er zeigte dabei Beispielvideos und stellte fest, dass sich Extremismus nicht nur in Gewalt, sondern explizit auch in Auftreten und Symbolik zeigten. Dabei würde konsequent versucht, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben und neue Begrifflichkeiten zu prägen. Aus „Ausländer raus“ beispielsweise würde „Remigration“.
Markus Krapf, Präsident des FC Augsburg, stellte anschließend Haltung und Maßnahmen seines Vereins im Blick auf Rechtsextremismus dar. Unter anderem gebe es beim FCA einen regelmäßigen Workshop für Demokratie. Auch mit seiner Teilnahme bei einer Veranstaltung am Augsburger Rathausplatz mit dem Titel „Gegen den Rechtsruck“ habe er ein Zeichen setzen wollen. Dr. Gero Kellermann von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing machte deutlich: „Politische Bildung endet nicht in der Schule. Die freiheitliche Demokratie des Grundgesetzes umhüllt auch den beruflichen Alltag. Mit unserer Tagungsreihe wollen wir einen Beitrag zur Vermittlung der Grundlagen der rechtsstaatlichen Demokratie in der beruflichen Welt leisten.“
„Vorurteile abbauen“
BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl betonte: „In Schulen und Betrieben treffen Menschen mit persönlichen Ressentiments aufeinander. Diese Vorurteile müssen wir identifizieren und als Gesellschaft abbauen. Unsere Handwerksbetriebe können das nicht allein leisten. Im Betrieb stellt sich Erfolg langfristig erst ein, wenn es ein gemeinsames Ziel gibt, auf das sich alle verständigen. Wer sich an einem wertschätzenden Miteinander nicht beteiligen und dem Betriebsziel nicht unterordnen will, ist im Handwerk fehl am Platz.“