Technologietag_22.11.19
Schöllhorn, HWK Schwaben

Forschungsprojekt Handwerk Digital auf der Zielgeraden

Pressemitteilung

Staatsminister Aiwanger informiert sich beim Technologietag der HWK Schwaben über die Ergebnisse und besucht die Technologieschau

Das bundesweit erste Forschungsprojekt, das die Digitalisierung speziell für das Handwerk untersucht und neue Anwendungswege für kleinere und mittlere Handwerksunternehmen aufzeigt, befindet sich in der finalen Phase. Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) hatte das Projekt initiiert, auf den Weg gebracht und konnte dazu als Partner die Handwerkskammer für Unterfranken sowie als wissenschaftliche Begleitung das Fraunhofer IGCV gewinnen. Assoziierter Projektpartner für die praktische Anwendung war das Augsburger SHK-Unternehmen Erich Schulz GmbH & Co. KG. Das Gesamtprojekt hatte ein Volumen von über 2 Millionen Euro, das zu 75% vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wurde. Die restlichen 25% mussten die Projektpartner aus eigenen Mitteln bestreiten.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger informierte sich beim Technologietag der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) über das Projekt und ließ sich beim Rundgang durch die Technologieschau die Ergebnisse live vorführen. Aiwanger sagte: „Das Handwerk wird mehr und mehr zu einer Hightech-Branche. Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Produkte und Produktionsprozesse, neue Geschäftsideen und neue Märkte. Zusätzlich muss das Handwerk konsequent alle technischen Neuerungen nutzen, die für das Handwerk wertvoll sein können. Hier in Augsburg denke ich zu  Beispiel an das Thema neue Werkstoffe.“ Aiwanger kündigte deswegen eine neue handwerksorientierte Technologieförderung an. Ab 1. Januar werde mit „Handwerk innovativ“ ein neues, leistungsstärkeres Förderinstrumentarium in Kraft treten.

“Damit haben wir in Bayern deutschlandweit die erste handwerksorientierte Technologieförderung.“

Prof. Dr.-Ing. Gunther Reinhart, Leiter des Fraunhofer IGCV ist für den wissenschaftlichen Part verantwortlich: „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass viele bestehende Technologien aus der Industrie 4.0 bestens für die handwerkliche Anwendung geeignet sind, vorausgesetzt, sie werden intelligent und flexibel angewandt.“

„Gerade der Einsatz mobiler und intuitiv steuerbarer Robotertechnologien ist im Handwerk gefragt. Gemeinsam mit den Projektpartnern haben wir für diesen speziellen Bedarf erfolgreich einen Prototyp entwickelt“, so Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

HWK-Präsident Hans-Peter Rauch war begeistert: „Die Digitalisierung stellt das Handwerk vor große Herausforderungen. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sind daher existenziell für eine erfolgreiche Arbeit in unseren Betrieben.“ Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben, richtet seinen Blick in die Zukunft: „Jetzt geht es darum diese Anwendungen in die Fläche zu bringen und die Handwerksunternehmen beim praktischen Einsatz der Technologien zu begleiten. Dafür ist die HWK Schwaben gut aufgestellt.“









Zwei Teilprojekte – Dienstleistung und Robotik

Wie können bestehende digitale Anwendungen in handwerkliche Tätigkeiten integriert werden und welche Vorteile bzw. Erleichterungen bringt dies für kleine und mittlere Handwerksbetriebe? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt bei Handwerk Digital. Die HWK Schwaben bearbeitete dabei federführend den Teilbereich Dienstleistung 4.0. Dieser befasst sich mit der Übertragung von bewährten und neuen digitalen Technologien aus der Industrie auf kleine und mittlere Handwerksbetriebe, zunächst beispielhaft im Bereich SHK-Technik (Sanitär-Heizung-Klima-Technik). Ziel ist der lückenlose Einsatz digitaler Hilfsmittel im Betrieb: von der Störungsanalyse und –behebung, dem Anfertigen von Kleinteilen vor Ort, der Lagerhaltung bis hin zur automatisierten Rechnungstellung. Daneben soll mittels intelligenter Software-Lösungen die interne und externe Kommunikation verbessert werden. Ein langfristiges Ziel ist die Ausweitung der erfolgreich getesteten Methoden auf andere Gewerke im Handwerk.

Robonet 4.0 untersucht die Einführung zukunftsfähiger Robotertechnologien im Montage- und Fertigungsbereich von kleinen und mittleren Handwerksbetrieben. Im Zentrum der Forschung steht die Schaffung einer Möglichkeit zur intuitiven Programmierung von Robotern ohne aufwändigen Programmiercode. Vielmehr soll der Roboter mit einer AR-Brille (Augmented Reality) über menschliche Gesten bedient und gesteuert werden.

Im praktischen Beispiel werden mit einer mobilen Robotereinheit Löcher in eine Wand gebohrt. Gerade bei großen Baustellen sind solche Bohrvorhaben, die oft „über Kopf“ ausgeführt werden müssen, körperlich sehr anstrengend. Unabhängig davon welches Bohrprojekt umgesetzt werden soll: Der Ausgangspunkt für das vereinfachte Programmieren der Robotereinheit liegt in jedem Fall in der Verarbeitung von Daten, die vorab vom Architekten (über BIM) oder vom Herstellungsbetrieb (über ein 2D- und 3D-CAD-System) zur Verfügung gestellt werden. Hier wurde Technik und Entwicklung von der Handwerkskammer für Unterfranken betreut.



Digitalisierung – unverzichtbar in der Zukunft

In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung die Prozesse im Handwerk maßgeblich verändern. Die Wertschöpfungsprozesse werden weitgehend digitalisiert ablaufen. Neue Technologien wie der 3D Druck oder das „Internet of Things“ werden die Handwerkswirtschaft vor völlig neue Herausforderungen stellen, aber auch neue Chancen eröffnen. Dies hat massive Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Arbeitsabläufe, aber auch auf die notwendigen Qualifikationen der Mitarbeiter. Für diese zukünftigen Anforderungen müssen die Handwerksunternehmen gut gerüstet sein, damit sie in der Zukunft im Wettbewerb bestehen können.

Müller Silke
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