Vollversammlung„Kammersystem ist höchste Form der Demokratie“
ZDH-Präsident Jörg Dittrich zu Gast bei der Vollversammlung der HWK Schwaben
Besuch des obersten Handwerkers Deutschlands in Augsburg: Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), hat heute an der Vollversammlung der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben teilgenommen. Dittrich, der mit der DDR und der Bundesrepublik zwei politische und gesellschaftliche Systeme kennengelernt hat, stellte das Jubiläum der HWK Schwaben und die Bedeutung der Kammern in den Mittelpunkt seines Vortrags: „Für mich sind die Kammern aber die höchste Form der Demokratie, die als Selbstverwaltung des Handwerks die Teilhabe und die Interessen aller Handwerkerinnen und Handwerker garantiert und vertritt sowie für Subsidiarität und damit für die gegenseitige Unterstützung im Handwerk sorgt.“
„Handwerk ist keine Partei, sondern eine große Gesellschaftsgruppe“
Aufgabe der Kammern, des ZDH und der gesamten Handwerksorganisation sei es unter anderem, die Einheit des Handwerks zu wahren sowie für Öffentlichkeit handwerklicher Themen und Belange zu sorgen. „Das Handwerk ist keine Partei, sondern eine große Gesellschaftsgruppe. Oft wird in Deutschland in der öffentlichen Diskussion von den wirklich wichtigen Themen abgelenkt. Gute Ideen aus dem Handwerk setzen sich nicht automatisch durch. Wir müssen daran arbeiten und Wahrnehmung erzeugen.“ Das, so der ZDH-Präsident, sei die Währung, die auf dem politischen Parkett – ob in Berlin oder in Brüssel – zähle.
Dittrich, der einen Dachdeckerbetrieb führt und gleichzeitig Präsident der Handwerkskammer Dresden ist, verwies auch auf seine Erfahrungen im System der DDR: „Mein Vater, der parteilos und Kirchenmitglied war, wurde in der DDR mehrfach einbestellt. Und es bestand ständig die Enteignung seines Betriebs im Raum. Mit mir braucht niemand über Freiheit und Demokratie zu reden. Ich setze mich dafür ein.“
Der ZDH-Präsident beteiligte sich auch an der politischen Diskussion, die traditioneller Bestandteil der Vollversammlung der HWK Schwaben ist, stellte seine Sicht der Dinge dar und beantwortete Fragen der Vollversammlungsmitglieder. Unter Moderation von HWK-Hauptgeschäftsführer Wagner, ging es dabei um verschiedene Punkte, wie um Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse für ausländische Fachkräfte sowie um die Auswirkungen von EU-Verordnungen, wie beispielsweise die Entwaldungsverordnung, und die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Hier trat Dittrich vehement für eine Teillosvergabe bei mittleren bis größeren Projekten ein und sprach sich überwiegend gegen Aufträge an Generalübernehmer aus.
Jahresrückblick und Forderungen des Handwerks
HWK-Präsident Hans-Peter Rauch blickte bei der Vollversammlung auf das Jahr zurück, das vor allem im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums der HWK Schwaben stand: „Das ist ein stolzes Jubiläum, das zeigt, wie stark und beständig das Handwerk in unserer Region ist. Solche Jubiläen kommen nicht oft vor. Sie zeigen, dass Selbstverwaltung funktioniert, dass sie trägt und dass sie ein starkes Fundament für unser Handwerk bildet. Wir haben nicht nur eine große Feier veranstaltet, sondern auch viele Aktionen gestartet, bei denen unsere Mitgliedsbetriebe im Mittelpunkt standen.“
Rauch fokussierte auch aktuelle Probleme und Herausforderungen und adressierte zentrale Anliegen des schwäbischen Handwerks: „Wir brauchen eine Senkung bei Steuern, Sozialabgaben und Energiepreisen, wir brauchen Bürokratieabbau, der endlich auch spürbar bei den Unternehmen ankommt. Darüber hinaus brauchen wir mehr Berufsorientierung an den Schulen und mehr Unterstützung bei Gründungen und Betriebsübergaben im Handwerk.“
HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner untermauerte diese Forderungen und goss sie in vier Handlungsfelder der HWK Schwaben:
1. Intensivierung der Unterstützung und der Finanzierung beruflicher Bildung
2. Sicherung der Sozialsysteme und Senkung von Steuern und Beiträgen
3. Mehr Unterstützung von Gründungen und Betriebsübergaben im Handwerk
4. Zügige und zielgerichtete Lenkung der Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur
Planungen für Sanierung BTZ Memmingen laufen auf Hochtouren
In Bezug auf die berufliche Bildung war ein wichtiger Tagesordnungspunkt das weitere Vorgehen bei der anstehenden Sanierung und dem Umbau des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) der HWK Schwaben in Memmingen. Die Planungen liefen auf Hochtouren, so Hauptgeschäftsführer Wagner und sein Stellvertreter Volker Zimmermann. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Vorbereitungen abgeschlossen sein und das Bauprojekt offiziell angegangen werden. Jüngst fand dazu ein Sondierungstermin mit wichtigen Fördergebern wie dem Bundesinstitut für berufliche Bildung statt.
Derzeit würde das Nutzungskonzept für das BTZ Memmingen, aber auch für jenes für das BTZ Kempten angepasst. Künftig solle der Schwerpunkt in Memmingen auf den Bereichen Holz und Bau liegen und in Kempten auf Elektro und SHK. Weitere Gewerke blieben an den jeweiligen Standorten erhalten. Zusätzlich soll im BTZ Memmingen eine Multifunktions- und Mehrgewerke-Halle zum Thema Bauen entstehen, mit folgenden Kompetenzfeldern: Nachhaltigkeitssanierung, Kollaboration zwischen Gewerken, digitale Vernetzung und Imagepflege des Handwerks. Allein baulich solle das BTZ als eine Art Leuchtturm für modernes Handwerk fungieren und wahrgenommen werden.
Verabschiedung stv. Hauptgeschäftsführer Kailing und Ehrungen
Für Alfred Kailing, bisher stellvertretender Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben, war es die letzte Teilnahme bei der Vollversammlung. Er verabschiedete sich nach langjähriger Tätigkeit bei der schwäbischen Kammer in den Ruhestand. Darüber hinaus wurden vier Vollversammlungsmitglieder für ihren langjährigen Einsatz für das schwäbische Handwerk geehrt:
- Silberne Ehrennadel des schwäbischen Handwerks für Konrad Rebholz, Vizepräsident der HWK Schwaben und seit 2004 Mitglied der Vollversammlung
- Silberne Ehrennadel des schwäbischen Handwerks für Sabine Stief, Augenoptikermeisterin und seit 2014 Mitglied der Vollversammlung
- Silberne Ehrennadel des schwäbischen Handwerks für Peter Herbst, Fotografenmeister und seit 2001 Mitglied der Vollversammlung
- Goldener Meisterbrief des schwäbischen Handwerks für Claus Krajewski, Zimmerermeister und seit 1999 Mitglied der Vollversammlung