Sascha Schneider, HWK Schwaben

Nicht alle Branchen ziehen mitLichtblicke in Handwerkskonjunktur

Zum Ende des zweiten Quartals hat sich die Stimmung unter den befragten Handwerksunternehmen insgesamt verbessert, auch wenn die Einschätzungen in den einzelnen Gewerken doch sehr unterschiedlich ausfallen. Quer über alle Branchen beurteilen 82 % der Betriebe ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend. Das sind 5 Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. Auffällig sind die stark voneinander abweichenden Bewertungen im Ausbau- bzw. Bauhauptgewerbe: Während das Ausbaugewerbe, darunter zahlenmäßig große Gewerke wie Elektrotechniker, Installateure oder Schreiner, mit einem Anteil von 92 % zufriedenen Betrieben an der Spitze im Branchenvergleich liegt, schneidet das Bauhauptgewerbe am schlechtesten ab. Lediglich 67 % der Maurer- oder Zimmererunternehmen sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden.

Dazu Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben: „Dass sich unsere Handwerksunternehmen mit passgenauen Angeboten und überzeugender Qualität in einer wirtschaftlich angespannten Gemengelage behaupten können, stellt das Ausbaugewerbe eindrucksvoll unter Beweis. Gleichzeitig zeigt die geringe Zufriedenheit im Bauhauptgewerbe, dass selbst leistungsfähige, oftmals seit vielen Jahrzehnten erfolgreiche Unternehmen gegen widrige Rahmenbedingungen kämpfen und immer stärker unter Druck geraten. Trotz eines milliardenschweren Sondervermögens ist es der Politik bislang nicht gelungen, hier wirkungsvolle Wachstumsanreize zu setzen. Auch der Abbau der Bürokratie, so sehr er von der Politik immer wieder versprochen und teils schon umgesetzt wird, kommt bei den Betrieben nicht spürbar an. Der Frust und die Ungeduld nehmen zu.“

Die konsumnahen Handwerke spüren die zunehmende Verunsicherung und Zurückhaltung bei den Verbrauchern. Bei den Bäckern und Metzgern ist die Zufriedenheit binnen eines Jahres von über 90 % auf aktuell 78 % zurückgegangen. Bei den Friseuren oder Optikern sind 79 % mit ihrer Lage zufrieden. Angespannt bleibt die Lage bei den gewerblichen Zulieferern und Dienstleistern, von denen nur 74 % positiv gestimmt sind. Im Kfz-Gewerbe läuft es vergleichsweise rund, 86 % sind zufrieden.



Fehlende Aufträge und anhaltender Preisdruck

Die schwache Auftragsdynamik setzt die Handwerksbetriebe unvermindert unter Druck. Lediglich 13 % berichten über ein Plus bei den Auftragseingängen. Jedes dritte Unternehmen (32 %) beklagt dagegen ein Minus. Im Bauhauptgewerbe und bei den Handwerken für gewerblichen Bedarf sind es sogar 38 % bzw. 39 % der Firmen, die einen Rückgang verzeichnen. Dies hat entsprechende Auswirkungen auf die Reichweite der Auftragsbestände. Die durchschnittliche Reichweite liegt bei 8,5 Wochen, das entspricht exakt dem Wert des Vorquartals. Der Vergleich zum Vorjahr mit einer gemessenen Reichweite von 9,7 Wochen zeigt, dass die Betriebe von ihrer Substanz und ihrem Auftragspolster zehren.

Gut jeder zweite Betrieb (54 %) meldet einen Anstieg bei den Einkaufspreisen. Auch wenn der Anteil der betroffenen Betriebe im Vergleich zum Vorquartal (65 %) etwas abgenommen hat, bleibt der Preisdruck hoch. Lediglich 23 % können diesen Anstieg durch eine Erhöhung bei den Verkaufspreisen ausgleichen. Das verschärft den Kostendruck und nimmt den Unternehmen den finanziellen Spielraum für erforderliche Projekte oder Investitionen.

 

Gedämpfte Zukunftsaussichten

Eine deutliche Mehrheit von 75 % der befragten Unternehmen teilt die Einschätzung, dass sich an ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage nichts verändern wird. Lediglich 9 % gehen von einer Verbesserung aus. Demgegenüber befürchten 16 % eine Verschlechterung. Einen Rückgang an Aufträgen bzw. geringere Umsätze erwarten rund 20 % der Firmen. Auch die Gefahr weiter steigender Einkaufspreise sehen die Unternehmen auf sich zukommen. 57 % gehen von einem Preisanstieg aus.

 

Weitere Zahlen und Grafiken auf www.hwk-schwaben.de/konjunktur.

 

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