Über 1.500 Jugendliche entdecken BerufschancenTag des Handwerks
Die Handwerkskammer für Schwaben engagiert sich seit jeher intensiv für die Berufsorientierung junger Menschen. Mit zahlreichen Angeboten unterstützt sie Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Talente zu entdecken und berufliche Perspektiven kennenzulernen. Ein wichtiger Baustein dabei ist der „Tag des Handwerks“, der in Bayern regelmäßig jungen Menschen die Vielfalt und die Chancen handwerklicher Berufe näherbringt.
In den Berufsbildungs- und Technologiezentren (BTZ) der HWK Schwaben in Augsburg, Kempten und Memmingen konnten in diesem Jahr in zwei Aktionswochen – bereits im April sowie erneut in dieser Woche – insgesamt über 1.500 Schülerinnen und Schüler aus 26 schwäbischen Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien Handwerksberufe praxisnah kennenlernen. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das eigene Ausprobieren.
Durchweg positive Resonanz
An verschiedenen Stationen erhielten die Jugendlichen Einblicke in das Bäckerhandwerk, das Friseurhandwerk, das Schreiner- und Zimmererhandwerk, das Maurerhandwerk, die SHK-Anlagenmechanik, die Elektrotechnik, die Metalltechnik, die Land- und Baumaschinenmechatronik sowie das Maler- und Lackiererhandwerk. An verschiedenen Stationen erhielten die Jugendlichen Einblicke in die Gewerke Bäcker, Friseur, Schreiner, Zimmerer, Maurer, SHK, Land- und Baumaschinenmechatronik, Elektrotechnik, Maler- und Lackiererhandwerk sowie Metalltechnik. Die Resonanz der Schülerinnen und Schüler sowie der begleitenden Lehrkräfte fiel durchweg positiv aus. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, nicht nur Informationen über die rund 130 handwerklichen Ausbildungsberufe zu erhalten, sondern selbst aktiv zu werden und handwerkliche Tätigkeiten praktisch zu erleben.
Sichere Perspektiven im Handwerk
Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz bietet das Handwerk sichere Perspektiven. Denn viele Tätigkeiten, die praktisches Können, Kreativität und unmittelbare Arbeit am Menschen oder am Bauwerk erfordern, bleiben auch künftig unverzichtbar.
„Ich glaube schon, dass unsere Schülerinnen und Schüler das anspricht“, sagte Lehrer Gerhard Lantenhammer vom Allgäu-Gymnasium beim Tag des Handwerks im BTZ Kempten. „Mittlerweile ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man mit einem Studienabschluss automatisch einen sicheren Job findet. Gefragt sind heute oft auch duale Wege – also beispielsweise die Kombination aus Handwerk und Studium.“ Besonders die praktischen Stationen hätten die Jugendlichen begeistert. „Gerade bei den Zimmerern sieht man, wie viel Freude es macht, mit den Händen etwas zu schaffen. Die Schülerinnen und Schüler wollten alles richtig machen und waren mit großem Ehrgeiz dabei“, so Lantenhammer.
KI unterstützt Handwerkerinnen und Handwerker, ersetzt sie aber nicht
Auch das Thema Künstliche Intelligenz spiele bei der Berufsorientierung inzwischen eine wichtige Rolle. „Viele Berufe verändern sich gerade massiv durch Digitalisierung und KI. Aber das Handwerk ist da ein Stück weit fein raus“, erklärte der Lehrer. „KI wird das Handwerk unterstützen – etwa bei der Planung –, aber ersetzen wird sie Handwerkerinnen und Handwerker nicht. Wenn jemand sein Bad renovieren oder ein Dach bauen möchte, braucht es auch in Zukunft Menschen mit handwerklichem Können.“
Rollenklischees werden abgebaut
Besonders erfreulich war auch im BTZ Memmingen die Offenheit der Jugendlichen gegenüber vermeintlich typischen Männer- oder Frauenberufen. „Die Jungs haben sogar beim Frisieren begeistert mitgearbeitet“, berichtet Christian Hatt, Lehrkraft der Anton-Fugger-Realschule, der die Jugendlichen mit Kolleginnen und Kollegen nach Memmingen begleitete. „Es ist wichtig, dass Rollenklischees überwunden werden. Interessant für mich zu hören war, dass in den Friseur-Kursen hier im Berufsbildungszentrum mittlerweile oft zur Hälfte Jungs sitzen – umgekehrt können auch die Bauberufe für Mädchen interessant sein.“
Perspektiven im Handwerk aufzeigen
Mit dem Tag des Handwerks nutzt die HWK Schwaben in ihren Berufsbildungszentren die Gelegenheit, Jugendlichen aller Schularten die Karrierechancen und Perspektiven im Handwerk aufzuzeigen. Christian Hatt freut sich über diese Möglichkeit: „Hierher ins BTZ der Kammer zu kommen und an einem Ort verschiedene Berufe vorgestellt zu bekommen, in denen die Schülerinnen und Schüler auch ihr eigenes Geschick testen können, ist eine schöne Sache.“ Der Realschullehrer sieht den Tag des Handwerks an sich auch sehr positiv: „Die Idee, dass man das Handwerk den Jugendlichen mit dem Tag des Handwerks näherbringt, finde ich gut und wichtig. Gerade an der Realschule im kaufmännischen Zweig fällt das leider oft ein wenig hinten runter, weil viele Jugendliche einen Bürojob anstreben.“
Nachwuchskräfte im Handwerk gefragt
Der Bedarf an Nachwuchskräften im Handwerk ist ungebrochen hoch, viele Betriebe suchen auch in der aktuell angespannten Lage nach geeigneten Auszubildenden, sie werden mehr denn je gebraucht. Das Handwerk spielt nicht nur bei den großen Zukunftsaufgaben wie der Energiewende und dem Bau von dringend benötigtem Wohnraum oder anderen Infrastrukturmaßnahmen eine große Rolle, sondern es ist in fast allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen ein wichtiger und entscheidender Faktor. Eine Karriere im Handwerk bietet eine sinnstiftende Tätigkeit, gute Karrierechancen und sichere Perspektiven.