Wirtschaftliche Trendwende im Handwerk lässt weiter auf sich warten
Das Handwerk in Schwaben tritt auf der Stelle. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage hat sich gegenüber dem Vorquartal nicht verändert. 85 % der befragten Handwerksbetriebe bewerten ihre aktuelle Lage als gut oder befriedigend. 15 % bezeichnen ihre Situation als schlecht. Die Unternehmen befinden sich unverändert in Wartestellung, nur eine Minderheit glaubt, dass sich ihre Lage in den kommenden Monaten verbessern wird. Die Auftragspolster sind dünner geworden, die Betriebe zehren von ihrem Auftragsbestand. Im dritten Quartal ist die gemessene Reichweite von 9,7 auf 9,1 Wochen zurückgegangen. Es fehlt an neuen Aufträgen, sei es von privaten Verbrauchern oder von gewerblichen Auftraggebern.
Dazu Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben: „Einmal mehr haben sich die Erwartungen, dass es endlich aufwärts geht, nicht bewahrheitet. Die Politik hat die angekündigte wirtschaftliche Trendwende noch nicht geschafft. Bei unseren Handwerksbetrieben herrscht eine gewisse Ernüchterung. Die versprochene, aber ausgebliebene Stromsteuersenkung für alle Unternehmen oder der angekündigte Bürokratieabbau, der jedoch viel zu zögerlich umgesetzt wird, sind nur zwei Punkte, die wir kritisieren.“
Sondervermögen Infrastruktur als Chance für Bauhandwerk
Die wirtschaftliche Lage im Bauhauptgewerbe hat sich etwas stabilisiert. In der aktuellen Umfrage bewerten 82 % der befragten Bauunternehmen ihre wirtschaftliche Lage als zufriedenstellend. Die Hoffnungen der Branche ruhen auf dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Aus dem gesamten, 500 Milliarden Euro umfassenden Sondervermögen stehen jährlich knapp 19 Mrd. Euro für den Bereich Tiefbau, z.B. für Straßen und Brücken, zur Verfügung. Erste spürbare Effekte sind jedoch frühestens in 2026 zu erwarten.
Im Ausbaugewerbe wird die Lage etwas besser als im Bauhauptgewerbe eingeschätzt. 89 % sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden. Deutlich zufriedener als im Vorquartal zeigen sich das Kfz-Handwerk und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Der Anteil der positiv gestimmten Betriebe liegt bei 94 % bzw. 82 %. Spitzenwerte melden erneut die Lebensmittelgewerke. 96 % berichten über eine zufriedenstellende Lage. Von dieser positiven Konsumentenstimmung konnten die verbrauchernahen Gewerke wie Friseure oder Optiker allerdings nicht profitieren. Lediglich 77 % sind zufrieden.
Besserung noch nicht in Sicht
Dass sich die eigene wirtschaftliche Situation im kommenden Quartal verbessern wird, glauben lediglich 11 % der befragten Betriebe. Der Anteil der Betriebe, die pessimistische Erwartungen haben, liegt bei 16 %. Im Bauhauptgewerbe und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf ist man besonders skeptisch. Die Trendwende zum Besseren dürfte nach Einschätzung der Unternehmen vor allem daran scheitern, dass zu wenig neue Aufträge eingehen und damit auch die Umsätze sinken.