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PressemitteilungKonjunkturumfrage: Aufholjagd im Handwerk legt Pause ein

Noch im dritten Quartal setzte das schwäbische Handwerk zu einer kräftigen Aufholjagd an. Doch wie die neueste Konjunkturumfrage zeigt, ist die Erholung im vierten Quartal zum Stillstand gekommen. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage ist zurückgegangen und auch die Zukunftsaussichten werden skeptischer eingeschätzt. HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner: „Das Geschäftsklima hat sich merklich abgekühlt. Es kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Erstens ist die Geschäftstätigkeit im ansonsten starken Bauhauptgewerbe im Winter saisonal bedingt stets etwas schwächer. Zweitens kommen Material- und Lieferengpässe, verstärkt durch hohe Preissteigerungen für Vorprodukte hinzu. Doch was uns besonders Sorge bereitet, ist drittens, dass die Kluft zwischen den Handwerksbranchen wieder größer geworden ist. Besonders die Dienstleister leiden massiv unter den coronabedingten Einschränkungen und stehen finanziell teils mit dem Rücken zur Wand.“ Mit dem Blick auf die sich aufbauende Omikronwelle fordert Wagner in Richtung Politik ein Vorgehen mit Augenmaß, um die Betriebe nicht in ihrer Existenz zu gefährden. „Irgendwann sind die Rücklagen aufgebraucht“, mahnt Wagner.



Zufriedenheit gesunken – Dienstleister besonders betroffen  

Quer über alle Branchen sind 82 % der befragten Handwerksbetriebe mit ihrer Geschäftslage im 4. Quartal zufrieden. Im 3. Quartal äußerten sich noch 89 % positiv. Der Vergleich mit den Vorjahreswerten zeigt aber gleichzeitig, dass das Handwerk besser dasteht als noch zum Jahresende 2020. Damals waren lediglich 75 % mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Einen Lichtblick und Stabilitätsanker bilden weiterhin die Bau- und Ausbaugewerke. Die Ausbaugewerke wie Elektriker oder Schreiner bewerten trotz Materialproblemen ihre Lage zu 95 % als zufriedenstellend – genau so viele wie im Vorquartal. Im Bauhauptgewerbe sind die Rückmeldungen nicht ganz so positiv (88 % zufrieden), was meist auf witterungsbedingte Effekte zurückzuführen ist. Die Lebensmittelhandwerke schneiden ebenfalls überdurchschnittlich gut ab (95 % sind zufrieden), und auch bei Handwerken für den gewerblichen Bedarf überwiegt der Optimismus (86 %). Doch es gibt auch Gewerke, die die Coronapandemie weiter fest im Griff hat und die finanzielle Einbußen verkraften müssen. Vor allem die Dienstleistungsgewerke wie Friseure oder Kosmetiker und Ladengeschäfte wie Optiker oder Uhrmacher spüren den erneuten Rückgang der Kundenfrequenz. Nur noch jeder zweite ist mit seiner Geschäftslage zufrieden. Im Vergleich zum Vorquartal ist das ein Einbruch um knapp 20 Prozentpunkte. Die leichte Erholung, die sich zunächst abgezeichnet hatte, ist damit verflogen. Auch das Kfz-Handwerk leidet unter der Verunsicherung der Verbraucher, nur 73 % äußern sich zufrieden.



Umsätze schwächer, Auftragsreichweite weiter hoch  

Die Umsatzentwicklung im 4.Quartal bleibt ohne Schwung. Lediglich 22 % können sich über ein Umsatzplus freuen. Gleichzeitig verzeichnen 28 % einen Rückgang, das sind 10 Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. Besonders betroffen sind – coronabedingt – die Dienstleistungshandwerke. Mehr als jeder zweite Betrieb, nämlich 61 %, meldet ein Minus. Die Auftragsreichweite hat sich gegenüber dem Vorquartal um 0,2 auf 9,6 Wochen erhöht. Im Bauhauptgewerbe sind es 12,7 und im Ausbauhandwerk 11,1 Wochen. Gründe hierfür sind eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Bauleistungen, aber auch Materialmangel, Lieferverzögerungen sowie Fachkräfteengpässe, die vor allem angesichts der geplanten Klimaschutzmaßnahmen der neuen Bundesregierung weiter wachsen dürften. 

 

Skepsis nimmt zu

Lediglich 8 % der Handwerksbetriebe gehen davon aus, dass sich ihre Situation in den kommenden Wochen und Monaten verbessern wird. Mit 18 % mehr als doppelt so hoch ist der Anteil derer, die von einer Verschlechterung ihrer Lage ausgehen. Knapp drei Viertel meinen, dass sich am Status quo, ob gut oder schlecht, so schnell nichts ändern wird. Die Skepsis nimmt also zu, die Mehrzahl der Unternehmen geht davon aus, dass sich die Wirtschaft nicht so schnell wie erhofft erholen wird. Die Vorhersagen für die Umsatzentwicklung sind entsprechend vorsichtig. 21 % der Betriebe erwarten ein Umsatzplus, fast ebenso viele ein Minus. Zurückhaltend sind auch die Prognosen für die zukünftigen Auftragseingänge. 13 % rechnen mit einer Zunahme, 17 % mit einem Rückgang. Positiv stimmt, dass knapp 90 % der Unternehmen ihre Mitarbeiter halten wollen oder sogar neue Stellen schaffen möchten. Nur passende Fachkräfte hierfür müssen sie finden.

 

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