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Corona Krise: Informationen zu Ausbildung und Prämien



Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema haben wir für Sie hier zusammengefasst.

Stand: 16.07.2020



Mit Wirkung ab dem 6. Mai 2020 entfällt die seit 20. März 2020 verhängte allgemeine Ausgangsbeschränkung in Bayern. Die bestehende Kontaktbeschränkung und das Distanzgebot gelten fort. Betriebe können seit diesem Datum wieder öffnen. Informationen zu Besonderheiten und Schutzmaßnahmen finden Sie hier.



 Ein Hinweis zu den diversen Ausbildungsprämien bzw. -zuschüssen, die aktuell in den Medien erwähnt werden:

Informationen zum Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" finden Sie hier.



1. Berufsschulen

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bestimmte am 21.04.2020, dass der Schulbetrieb an den Berufsschulen in Bayern ab 27.04.2020 nach und nach wieder aufgenommen wird. Nachdem der Berufsschulunterricht seit dem 27.04.2020 entweder wie zuvor als „Präsenzunterricht“ oder seit dem 20.04.2020 als verbindlicher Unterricht als „Lernen zuhause“ stattfindet, sind die Auszubildenden vom Betrieb gemäß § 15 Berufsbildungsgesetz (BBiG) bezahlt freizustellen. In welchem Umfang der Präsenzunterricht angeboten wird, hängt maßgeblich von den Möglichkeiten der einzelnen Berufsschulen ab. So können Teile des Präsenzunterrichts in das „Lernen zuhause“ ausgegliedert werden, sollte dies schulorganisatorisch erforderlich sein (weitere Infos bzgl. "Lernen zuhause" siehe unten).



Die Wiederaufnahme des Berufsschulunterrichts erfolgt dabei in 4 Phasen; siehe nachstehende zeitliche Abfolge:

Phase 1:

Schrittweise Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den bayerischen beruflichen Schulen (außer Berufliche Oberschule) zum 27.04.2020 oder seit dem 20.04.2020 als verbindlicher Unterricht „Lernen zuhause“. So können Teile des Präsenzunterrichts in das „Lernen zuhause“ ausgegliedert werden, sollte dies schulorganisatorisch erforderlich sein.

Phase 2:

In der zweiten Phase ab 11.05.2020 ist, soweit möglich, ein Präsenzunterricht für Schülerinnen und Schüler (SuS) anzustreben, die 2021 einen Berufsabschluss anstreben.

Eine Steigerung der Schülerzahl im erweiterten Präsenzunterricht ab dem 11.05.2020 hängt zum einen maßgeblich von den schulartspezifischen Rahmenbedingungen sowie den Möglichkeiten der einzelnen Schule vor Ort ab. Zum anderen muss die sukzessive Wiederaufnahme des Schulbetriebs immer unter Berücksichtigung der weiteren Entwicklung der Pandemie erfolgen. Bei den organisatorischen Planungen der Schulen ist zu beachten, dass die Beschulung von SuS mit anstehender Abschlussprüfung im Schuljahr 2019/2020 im Präsenzunterricht und ggf. in Form des „Lernens zuhause“ in Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen Vorrang hat.

Phase 3:

In der dritten Phase ab 18.05.2020 ist ein Präsenzunterricht für SuS der jeweils untersten Jahrgangsstufe der Wirtschaftsschulen anzustreben. Auszubildende in der betrieblichen Ausbildung (Duales System) sind in Phase 3 in der Regel nicht betroffen.

Phase 4:

In der vierten Phase ab dem 15.06.2020 sollen alle SuS der beruflichen Schulen (außer berufliche Oberschule) wieder in den Präsenzunterricht eingebunden werden. Die Umsetzung dieser vierten Phase des Wiedereinstiegs in den Schulbetrieb ist abhängig von den weiteren Entwicklungen des Infektionsgeschehens und wird ggf. angepasst.

Nähere Informationen zur Wiederaufnahme des Unterrichts bzw. zur Stundenplanung erfahren Sie bei Ihrer zuständigen Berufsschule.

Aus Gründen des Gesundheitsschutzes für den Unterricht in den Abschlussklassen werden auch weiterhin besondere Rahmenbedingungen gelten. Zudem können Sie weitere Informationen zum Unterrichtsbetrieb den FAQ des Bayerischen Kultusministeriums entnehmen.



"Lernen zuhause" - Bitte beachten Sie folgende Hinweise:

Der konkrete Umfang der Freistellung für das „Lernen zuhause“ kann bei Bedarf zwischen den dualen Partnern in vertrauensvoller Abstimmung festgelegt werden. Der Begriff „Lernen zuhause“ ist in diesem Zusammenhang nicht nur auf das häusliche Umfeld beschränkt und kann daher auch ziel- und handlungsorientiert im Betrieb erfolgen. Wo sich der Lernort für den Onlineunterricht befindet, legen Ausbildungsbetriebe und Auszubildende fest. Das gemeinsame Ziel der dualen Partner, Betrieb und Schule, ist die erfolgreiche berufliche Qualifizierung der Auszubildenden.

Die Bearbeitungszeiten für das „Lernen zuhause“ sollten im Rahmen der Berichtsheftführung, anlog der Erfassung des Berufsschulunterrichts, dokumentiert werden.



Haben die Ausfallzeiten in der Berufsschule Auswirkungen auf die Prüfungsanforderungen?

Nein, die Prüfungsanforderungen sind in den Ausbildungsordnungen beschrieben und können nicht verändert werden. Besteht nach mehrwöchigem Unterrichtsausfall die Sorge, dass das Ausbildungsziel nicht erreicht wird, kann ein Antrag auf Verlängerung der Ausbildung nach § 27 b Absatz 2 HwO / § Absatz 2 BBiG gestellt werden.



2. Finden die ÜLU-Kurse statt?

Ab dem 11.05.2020 findet schrittweise die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung wieder statt.

Weitere Informationen finden Sie hier.



3. Darf der Auszubildende von der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich besteht die Pflicht, die Ausbildung im Betrieb fortzusetzen. Der Auszubildende darf die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Für die Zeit der Freistellung ist die Vergütung gemäß § 19 BBiG fortzuzahlen.



4. Kann für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden?

Wird die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter aufgrund von Kurzarbeit verkürzt, sind Auszubildende zunächst von dieser Regelung ausgenommen. Aufgrund der Ausbildungspflicht müssen Betriebe die Ausbildung auch während der Kurzarbeit ordentlich weiterführen.

Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  1. Vorziehen der erst später geplanten Ausbildungsinhalte
  2. interne Vermittlung fachtheoretischer und fachpraktischer Kenntnisse
  3. Führen des Ausbildungsnachweises sowie Anfertigen der von Ihnen geforderten Fachberichte – sowie Ihre Einsichtnahme und Unterschrift
  4. Zur-Verfügung-Stellen der geeigneten Fachliteratur oder berufsbezogener Online-Plattformen zur Erweiterung des Kenntnisstandes
  5. Einrichten von Lernzeiten für den Berufsschulstoff
  6. Prüfungsvorbereitungsmaßnahmen im Betrieb (schriftliche, praktische Übungen, Simulieren einer praktischen Prüfungsaufgabe)


Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings restriktiv zu handhaben. Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). 

Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.



Kurzarbeitergeld

Nach Anordnung von Kurzarbeit im Betrieb gilt für den Auszubildenden ein 6-wöchiger Vergütungsanspruch nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG. Es besteht in dieser Zeit kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Im Anschluss daran kann über die Agentur für Arbeit ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld für Auszubildende geprüft werden.



Die aktuellen Informationen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks vom 25. März 2020 haben wir für Sie hier zusammengefasst. Wir werden Sie auch weiterhin zeitnah und aktuell zu diesem Thema informieren.



5. Kann für Ausbilder/-innen Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.



6. Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Beim volljährigen Auszubildenden kann es nach gemeinsamer Absprache und auf Wunsch des Auszubildenden außerdem zum Abbau vorhandener Überstunden kommen. Auf Wunsch bzw. Antrag der/des Auszubildenden/Erziehungsberechtigten und nach gemeinsamer Abstimmung kann ggf. der bereits erworbene Urlaubsanspruch aus 2020 gewährt werden.

Unter Berücksichtigung dringender betrieblicher Belange kann Urlaub auch angeordnet werden. Dies kann z.B. eine unvorhergesehene Krise sein, in der der Arbeitgeber durch Lieferengpässe oder ausbleibende Kunden keine Beschäftigungsmöglichkeit hat. Wichtig hierbei ist aber, dass auch in diesen Fällen ein Teil des Urlaubes in der Verfügung des Auszubildenden bleiben muss. 



7. Praktika

Praktika zum Kennenlernen der zukünftigen Auszubildenden

Praktika sind ein hilfreiches Mittel, um vor Abschluss eines Ausbildungsvertrags festzustellen, ob eine erfolgreiche Zusammenarbeit für die Dauer der Ausbildungszeit möglich erscheint.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind Betriebe und Jugendliche teilweise verunsichert, ob Praktika zum aktuellen Zeitpunkt erlaubt sind. Für Mittelschulen gilt laut Kultusministerium, dass die Pflichtpraktika ab sofort in Jahrgangsstufe 8 und in Praxisklassen vom Grundsatz her sowohl in Phasen des Präsenzunterrichts als auch in Phasen des Lernens zu Hause durchgeführt werden können. Auch für Realschüler ist es wieder möglich, Schulpraktika zu absolvieren.

Des Weiteren sind in den Verlautbarungen der Staatsregierung freiwillige Praktika ab sofort nicht mehr verboten. Somit können auch in den Ferien Betriebspraktika durchgeführt werden.

Bei allen Praktikumsarten ist natürlich wichtig, dass die Auflagen zum Infektionsschutz eingehalten werden.



8. Wann werden die abgesagten Ausbildungsprüfungen nachgeholt?

Weitere Informationen zu Prüfungen und Ansprechpartnern finden Sie hier.



9. Fragen zum Thema Einstiegsqualifizierung

Derzeit ist eine Mindestdauer von 6 Monaten für eine Förderung vorgesehen. Aufgrund von (vorrübergehenden) Betriebsschließungen werden diese Fristen ggf. unterschritten. Fällt dann der Anspruch auf Förderung eines bereits bewilligten Vertrags (auch rückwirkend) weg?

Nein. Mindestdauer bedeutet nur, dass der Vertrag bei Abschluss keine kürzere Dauer haben darf. Wenn dieser dann unplanmäßig früher endet, fällt damit der Anspruch nicht rückwirkend weg.

Müssen Betriebe ggf. bereits ausgezahlte Zuschüsse für Einstiegsqualifizierungen zurückzahlen?

Nein.



10. Ansprechpartner

Für weitere Fragen zum Thema Ausbildung stehen Ihnen die Ausbildungsberater der Handwerkskammer gerne zur Verfügung.

 



Die Informationen wurden auf Basis des aktuellen Sachstandes erstellt. Sie erfolgen ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.